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Königin Jelena Madije Park


Am 16. September 1829 wurde in Zadar der erste öffentliche Stadtpark - heute Park der Königin Jelena von Madius eröffnet …

 

Am 16. September 1829 wurde in Zadar der erste öffentliche Stadtpark - heute Park der Königin Jelena von Madius eröffnet …

 


Die Stadt Zadar bekam ihren ersten öffentlichen Park als sie noch eine Stadtfestung war. Nach dem Sonnenuntergang konnte man nicht mehr aus der Stadt raus. Deshalb war der Stadtpark vierzig jahrelang wie ein Balkon für die Stadtbewohner, von dem sie einen wunderschönen Ausblick auf das offene Meer und die Umgebung hatten.

 

Der Park wurde am16. September 1829 von dem damaligen Militär- und Stadtverwalter Baron Franz Ludwig von Welden nach seinen eigenen Aufzeichnungen errichtet. Er war leidenschaftlicher Botaniker und dermaßen von der dalmatinischen Flora begeistert, dass er einen öffentlichen Park anlegte. Er nannte ihn „öffentlicher Stadtpark „ und schenkte ihn den Zadarer Stadtbewohnern. Diesen Beschluss konnte nur er allein treffen, da sich der Park auf der Bastion der Zadarer Festung befand und als solcher zu den Militärobjekten gehörte.

 

Der öffentliche Park hatte alle Merkmale der Romantik und ist wegen der Elemente der Gartenarchitektur, die sich dort befanden, höchst interessant: ein maurisches Kaffehaus, eine chinesische Pagode, ein griechischer Tempel, eine halbkreisförmige Exedra, Obelisken, eine Eisfabrik, künstliche Grotten usw. Über die Eröffnung des öffentlichen Parks schildern eine Steinüberschrift, welche heute noch erhalten blieb: (WILLKOMMEN DEN 16 SEPT 1829) und ein Buch mit Gedichten in verschiedenen Sprachen unter anderen auch in kroatischer Sprache.

 

Bis zu dem Zeitpunkt gab es in der Stadt keine öffentlichen Parkanlagen und die Menschen trafen sich auf einer "Weide neben dem Pinelli". Der neue öffentliche Stadtpark bot aber viel, er war nicht nur ein Treffplatz. Er hatte ein Kaffehaus im maurischen Stil, in welchem kalte Getränke serviert wurden und das Getränk aus „ arabischer Linse" –  Kaffee, ein neues Heißgetränk aus dieser Zeit, angeboten wurde. Man konnte auch ein Sorbet bestellen - Eis mit gefrorenen Früchten, hergestellt in der Eisfabrik. Samstags und sonntags spielte im  öffentlichen Stadtpark Musik, es wurden verschiedene Vorstellungen vorgeführt und es fanden Sportveranstaltungen statt.

 

Der öffentliche Stadtpark war aber auch ein Museum im Freien, weil überall verschiedenartige Bruchstücke des ehemaligen Palais von Zadar, Büsten und Statuen standen. Tische und Bänke waren im öffentlichen Stadtpark aus Bruchteilen der römischen Kapitels, Säulen u.a. Elementen der römischen Architektur zusammengebaut. Unterschiedliche Inschriften aus der Römerzeit, sogar ein großes Fischfossil war in der Exedra angebracht. Die Exedra selbst war halbkreisförmig mit einer Steinbank und hatte zwei Statuen an ihrem Eingang. Auf dem östlichen Gipfel der Bastion wurde eine kleine chinesische Pagode gebaut, welche als Musikpavillon diente. Im öffentlichen Stadtpark gab es auch einen kleinen Venustempel  - eine halbreisförmige Kolonnade mit einer Statue in der Mitte. Die Stadtbewohner von Zadar haben im Jahr 1844 dem Baron Welden eine kleine künstliche Grotte mit einem Denkmal aus Marmor und vergoldeter Inschrift in Latein, welche die Anfangsbuchstaben den Namen von Baron von Welden ergeben, bauen lassen. Anlässlich des Besuches des Kaiser Franz Joseph I. in Zadar wurde am Gipfel des Hügels noch eine sechseckige chinesische Pagode mit drei Stockwerken und einem gebeugten „chinesischem“ Dach gebaut. Zu diesem Anlass schenkte man dem Kaiser Franz Joseph I. ein Fotoalbum mit den bedeuteten Sehenswürdigkeiten und Denkmälern in Zadar darunter auch zwei Fotos, welche den öffentlichen Stadtpark zeigen. Auf den Fotos sieht man die Pagode, den kleinen Tempel, die künstliche Grotte und den Eingang, der in den öffentlichen Stadtpark führte und welcher im Jahr 1893 erneut errichtet wurde. So sieht der Eingang heute noch aus, nur wurden mittlerweile noch 600 neue Kiefern auf dem Hügel angepflanzt weswegen einige Wege im Park zerstört werden mussten.


Im öffentlichen Stadtpark gab es schon im Jahr 1887 Wasser, es wurde aus der nahelegenden Zisterne vom Fünfbrunnenplatz geleitet. Zwei Jahre später, im Jahr  1896 bekam Zadar Strom. Der Eingang in den öffentlichen Stadtpark wurde mit zwei großen eisernen Kandelabern beleuchtet, jeder Kandelaber hatte drei Glaskugeln. Das Kaffeehaus im öffentlichen Stadtpark wurde auch beleuchtet. Nachdem der große Kandelaber auf dem Volksplatz im Jahr 1894 aufgestellt wurde (damals Piazza die Signori), spiele die Stadtmusik nicht mehr im öffentlichen Stadtpark, sondern jeden zweiten Sonntag auf dem Volksplatz. Von 1845 bis 1906 entstand die neue Promenade (heute Obala kralja Petra Krešimira IV.) entlang des Zadarer Kanals. Sie war um die 800 Meter lang und hatte vierzehn repräsentative Gebäude mit einer Pappelallee, einer Post, einem Hotel, drei Kaffeehäuser, und einen Anlegeplatz für Dampfschiffe. Sehr viele Stadtbewohner spazierten lieber an der neuen Promenade als sich im öffentlichen Stadtpark zu amüsieren, so wurde der schöne öffentliche Stadtpark langsam verlassen und vergessen und der Treffpunkt der Zadarer wurde nun die neue Promenade. Im Jahr1907 wurde die Mauer zwischen der Bastion Grimani und der Bastion Moro, bzw. zwischen dem öffentlichen Stadtpark und des kleinen Parks abgerissen. Zum Abbau der Mauer kam es, damit man eine neue Straße, welche in die Stadt führen sollte und die sich auf der Halbinsel befindet, bauen konnte. Hiermit verlor der öffentliche Stadtpark seine Verbindung mit der Allee auf der Stadtmauer und den kleineren Parks, welche in Zadar im Jahr 1868, nachdem die Festungseigenschaft Zadars aufgehoben wurde, errichtet wurden.


Der Stadtpark wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und es wurden auch manche Elemente der Gartenarchitektur im Park zerstört. Da der Park älter als 175 Jahre ist, ist von den ursprünglich einheimischen angelegten Pflanzen wenig zu sehen geblieben. Die Bauten werden derzeit renoviert und es werden neue Pflanzen angelegt. Heute ist der Park der schönste Zadarer Park.

 



Text: Mirna Petricioli (
www.nasadi.hr) –
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